Die saarländisch-lothringische Grenzregion, so oft in ihrer Geschichte von Krieg und Zerstörung heimgesucht, befindet sich heute inmitten des zusammenwachsenden Europas. Nur noch wenig bekannt ist, dass die Menschen bis ins 20. Jahrhundert hinein auf beiden Seiten der heutigen Grenze in ihrem Alltag vielfach dieselben Lieder sangen. Das Duo Erledanz, bestehend aus Klaus und Henrike Eckhardt (Gesang, Zister, Flöten, Streichpsalter), hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses über Ländergrenzen und Zeiten hinweg verbindende Element der Musik wieder erlebbar zu machen und hat in umfangreichen Volksliedsammlungen recherchiert, die beidseits der Grenze, im deutschsprachigen Lothringen und im Saarland, zusammengetragen worden sind (Louis Pinck "Verklingende Weisen", 1926 - 1939, und Carl Köhler "Lieder von der Mosel und Saar", 1896).

Weitere Hintergründe dazu lassen sich unter anderem einem hier abzurufenden Interview von knapp 19 Minuten Länge entnehmen, das der Saarländische Rundfunk im Mai 2017 ausgestrahlt hat. Hörproben finden sich auch bei den Informationen zu unseren CDs.



"Bei den Dorfburschen war derjenige der Held, der die meisten Lieder wusste." "Vetter Nikles, der Spielmann von Gebenhausen, [...] rühmte sich, keine Ziegel auf dem Dach zu haben, die er nicht mit seiner Geige verdient hätte." (Louis Pinck, "Verklingende Weisen", Band I, 1926)

Häufig wird behauptet, Louis Pinck habe die Liedtexte, die er in Lothringen hörte, ins Hochdeutsche übersetzt und damit verfälscht. Ob dies stimmt, kann man unmittelbar überpüfen. Louis Pinck und seine Mitarbeiter haben in den 1930er Jahren Aufnahmen auf Wachswalzen gemacht. Einige dieser Wachswalzen haben sich erhalten und sind im Auftrag des Deutschen Volksliedarchivs in Freiburg digitalisiert worden. Die Tonqualität ist nach rund achtzig Jahren dürftig, aber es ist faszinierenderweise möglich, noch einige der alten Sänger zu hören, die Louis Pincks Quelle waren. Hier drei Beispiele:

DVA_WW_188 Russlandlied, aufgenommen 1931, Text: "Ist es denn wirklich wahr, wie man hat vernommen? Dass so viele tausend Mann sind nach Russland kommen."

DVA_WW_190 Das Lied vom Sterben, "Verklingende Weisen", Band 3, Seite 207, aufgenommen 1933, Text: "Jetzt fängt das schöne Frühjahr an, bald fängt das schöne Frühjahr an und alles fängt zu blühen an."

DVA_WW_193 Ehestandslied, "Verklingende Weisen", Band 1, Seite 227, aufgenommen 1930, Text: "Hört allesamt, was ich erklär! Wo kommet denn der Ehstand her? Merket auf mit Fleiss! Er ist von keinem Menschen nit, Gott hat ihn selber eingericht im Paradies, im Paradies."